Das Urteil der Jury zum Wanderweg des Jahres
Elf dieser Rundschleifen zwischen Rhein und Mosel wurden als Premiumwandewege vom Deutschen Wanderinstitut zertifiziert. Darunter auch der Virne-Burgweg. Die touristische Region Rhein-Mosel-Eifel-Touristik (Remet) mit Sitz in Koblenz umfasst den Landkreis Mayen-Koblenz mit geografischen Anteilen am Rhein-Westerwald, der Vordereifel, der Untermosel, dem Romantischen Rhein, dem Maifeld und dem Mittelrheintal.
Der Virne-Burgweg vereint auf seinen knapp 10 Kilometern Streckenlänge viele landschaftsbildende Elemente in den wenig bekannten östlichen Ausläufern der Eifel im Flüssedreieck von Rhein und Mosel zu einer sehr abwechslungsreichen Wandertour. Sagenhafte Ausblicke über die sanften Kuppen der Eifel in Kombination mit ruhigen Waldpassagen und grandioser Bergheidevegetation sind nur einige der Höhepunkte auf dem Rundkurs um das kleine, überaus sehenswerte Eifeldorf Virneburg.
Der Virne-Burgweg beweist, dass auch kleine Kommunen im Reigen der attraktiven Wanderwege eine herausragende Rolle spielen können. Mitten im überschaubaren Ort, am Parkplatz am Nitzbach mit Übersichtskarte, beginnt die Tour am informativen Wanderportal. Schnell führt das markante Traumpfadlogo den Wanderer durch verwinkelte Gassen bergan zur hoch aufragenden Ruine der Virneburg. Die mittelalterlichen Gemäuer bieten nicht nur einen tollen Anblick sondern auch Ausblicke auf den Burgort im eingeschnittenen Tal. Sie geben der Wanderung einen zusätzlichen kulturgeschichtlichen Aspekt. Wie geschaffen für Familien mit Kindern.
Nach einer weiteren kurzen Berührung des Ortes umfängt dichter Wald den Wanderer, den nun im Nitzbachtal für eine Weile Natur pur erwartet. Quirliges Wasser begleitet den Weg, bis der nächste Szenenwechsel ansteht: Durch schlanken Buchenhochwald führt der Virne-Burgweg bergan. Kaum hat man deutlich an Höhe gewonnen, öffnet sich der dichte Wald abrupt und gibt den Blick über im Sommer wogenden Felder frei – an Abwechslung wird hier wirklich nicht gespart.
Der nächste Höhepunkt folgt sogleich mit der Passage entlang der urwüchsigen Heide des Schafberges. Wacholderbüsche und knorrige Kiefern, Heidekraut und Ginster prägen nun die Passage und vermitteln einen ganz eigenwilligen Landschaftseindruck, wie er für Heiden ganz typisch ist. Nur, wer würde hier in der Vordereifel schon Heideflächen vermuten? Herrlich auch der Weg, der naturbelassen mit großartigem Panoramablick an dem Naturschatz vorbei führt.
Eine erneute Waldpassage, eine Straßenquerung und wieder öffnet sich der Vorhang des Waldes zum nächsten Akt. Der Wanderer hat nun die Blumenrather Heide erreicht und kann sich ausführlich über das von der EU geförderte Renaturierungsprogramm in der Osteifel informieren. Raum zum Träumen für Wolkengucker, Fernseher und Genießer. Dieser Traumpfad verleitet zum Träumen.
Im Anschluss an die offene Heide bietet am Waldrand die Virneburg-Schutzhütte Gelegenheit zur Rast und zum Ausschau halten: Weit geht der Blick bis zur markanten Nürburg. Vom berühmten Nürburgring bekommt man an diesem exponierten Aussichtsplatz weniger das Glitzern der geparkten Besucherautos, als das windabhängige unterschwellige Brummen der Motoren in angenehm gedämpfter Lautstärke mit. Freilich sind auf der serpentinenreichen Bundesstraße zwischen Mayen und dem Nürburgring gerade an Wochenenden auch Biker unterwegs.
Dann wird es spannend! Der Virne-Burgweg entführt den Wanderer nun in eine ganz andere Welt: Mit dem idyllischen Bergpfad geht es auf schmalem Trail durch die steile Hangflanke. Wieder lernt der Wanderer eine neue Seite der Natur rund um Virneburg kennen: Krüppeleichen dominieren hier den Trockenhang und tolle Blicke würzen diesen abenteuerlichen Wegabschnitt auf herausragend schöne Weise.
Kurz berührt der Rundweg noch einmal das Nitzbachtal, bevor weiche Wiesenwege den erneuten Anstieg versüßen. Neue Perspektiven auf Hecken, Wiesen und Wald unterstreichen wieder die Vielfalt des Weges. Kurz vor dem Zieleinlauf präsentiert sich von einem urigen Rastplatz, fast auf Augenhöhe, noch einmal die Virneburg von einer bislang unbekannten Seite. Die Blicke auf die Virneburg sind das dramaturgische Stilelement der gesamten Runde, weil der Wanderer immer wieder, jeweils aus ganz neuer Perspektive, auf das Gemäuer blickt.
Der Virne-Burgweg reiht sich vollkommen zu Recht in die Reihe der Traumpfade ein. Hier ist Wandergenuss auf höchstem Niveau garantiert: tolle Pfade, eine interessante Routenführung durch eine sehr reizvolle und kurzweilige Landschaft werden geschickt kombiniert mit einem kräftigen Schuss Mittelalter, der in den alten Mauern der Virneburg oder bei der Passage durch die Altstadtgassen unwillkürlich aufkommt.
Leider ist eine Anreise mit dem ÖPNV in dieser eher dünn besiedelten Region der Eifel nicht sehr einfach. Da es sich aber um eine Rundwanderung handelt, braucht man sich am Ende der Wanderung keine Sorgen um das Zurückkommen an den Start zu machen. Die An- und Abreise ist aktuell nur mit dem eigenen PKW oder mit arrangierten Zubringerdiensten umliegender Gastgeberbetriebe zu empfehlen.
Eine gute, mit allen wünschenswerten Informationen ausgestattete Homepage, die sogar einen 3D-Flug entlang des Wegs bietet, sorgt für eine gute Vorbereitung und lässt bereits vor der Tour Vorfreude aufkommen. Auch die begleitenden Informationen zu den Umweltschutzprojekten in den Heidelandschaften, die einst die Eifel prägten, tragen zum Erlebnischarakter der Tour bei. Hier kann man nicht nur ein Stückchen großartige Natur genießen, sondern bekommt ganz nebenbei auch Wissenswertes zum Naturschutz und zur Region geboten.
Resümee:
Insgesamt stellt sich der Virne-Burgweg als wirklich herausragender Rundwanderweg dar, der echten Wanderspaß und Naturgenuss nicht nur verspricht, sondern auch zu 100 Prozent bietet. Daher ist der Virne-Burgweg ein würdiger „Wanderweg des Jahres 2008“ in der Kategorie „Tagestouren“.
Düsseldorf, den 6.7.2008





