Nachhaltigkeit der Traumpfade gewährleistet

Barbara und Michael Sterr beim Aufsprühen einer Farbmarkierung. Im Zuge des Wegemanagements wird auf den Traumpfaden an geeigneten Stellen immer wieder mal nachmarkiert.
Die Frage der Nachhaltigkeit wird in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft immer bedeutsamer. Auch für den Wandertourismus spielt sie eine wichtige Rolle: ob es ums Wandern als Teil eines nachhaltigen Lebensstils oder als Mittel zur Förderung der regionalen Entwicklung geht. Auch muss die dauerhafte Pflege und Unterhaltung der Wanderwege gewährleistet sein – gerade für Touren wie die in Premiumqualität angelegten Traumpfade.
326 Kilometer umfassen die in diesem Sommer fertiggestellten „Traumpfade im Rhein-Mosel-Eifel-Land“ im Landkreis Mayen-Koblenz. Das sind sogar sechs Kilometer mehr als der über drei Bundesländer laufende Fernwanderweg Rheinsteig. Um für die Wanderer top in Schuss zu sein, muss eine solche Wegelänge regelmäßig ein Qualitätscontrolling erfahren. Für die 26 Traumpfade und den dazugehörigen Themenweg in Premiumqualität übernimmt das ein qualifiziertes Wegemanagement – bestehend aus dem Traumpfade-Wegemanager Michael Sterr und momentan 16 ehrenamtlichen Wegepaten.
Im Auftrag der Rhein-Mosel-Eifel-Touristik (Remet) geht Michael Sterr alle Rundwanderwege regelmäßig einmal im Jahr ab und überprüft Wegezustand und Wanderleitsystem: Meter für Meter, Markierung für Markierung, Hinweisschild für Hinweisschild. Und das mit Blick in beide Richtungen des jeweiligen Traumpfades. Über die Qualitätsanalyse wird dann ein mit Fotos versehener Bericht erstellt, der eventuelle Schwachstellen dokumentiert. Dies können durch Sturmschäden, forstwirtschaftliche Maßnahmen oder Vandalismus weggefallene Markierungszeichen, defektes Mobiliar, überwucherte oder schlammige Wegeabschnitte sein.
„Der Sturm Xynthia hat in diesem Jahr auf den Traumpfaden etliche Bäume mit Markierungen umgehauen“, erzählt Wegemanager Sterr. Diese mussten schnellstens wieder neu angebracht werden. Parallel dazu galt es, die neuen Traumpfade pünktlich zu ihrer Eröffnung zu markieren. Was oft ein Wettlauf gegen die Zeit war, da wegen der Sturmschäden gesperrte Wege und die sehr kühle sowie nasse Witterung in den ersten Monaten des Jahres Sterr oft einen Strich durch die Rechnung machte – etwa, wenn bei den Farbmarkierungen „die Farbe nicht aus der Sprühdose raus wollte“, wie Michael Sterr berichtet.
Verwechslungen ausgeschlossen
Für die zu beseitigenden Schwachstellen ermittelt der Wegemanager stets auch die entsprechenden Koordinaten. Damit ist für die ehrenamtlichen Wegepaten, die bei der Qualitätssicherung mit ins Spiel kommen, „präzises Arbeiten möglich und Verwechslungen sind ausgeschlossen“, so Michael Sterr. Zusätzlich zur jährlichen Analyse durch den Wegemanager gehen die Wegepaten zudem im Frühjahr wie im Herbst alle Traumpfade vollständig ab.
„Der Qualitätsanspruch ist mit das Wesentliche bei unseren Premiumwanderwegen“, unterstreicht Michael Schwippert vom Projektbüro Traumpfade. Angefangen von der Auswahl der beim Anlegen der Touren beteiligten Experten bis zum Thema Nachhaltigkeit: So hat die Remet das Wegemanagement und dessen Finanzierung von Mitte 2009 an für zehn Jahre bis 2019 gesichert. „Damit halten wir zum einen an unserem Qualitätsversprechen an die Wanderer fest, zum anderen sind wir so auf die Neuvergabe des für drei Jahre gültigen Prädikats ,Deutsches Wandersiegel’ vorbereitet“, sagt Schwippert.
Versierter Wanderexperte
Mit Michael Sterr hat die Remet einen versierten Wanderprofi ins Boot geholt. Der Diplom-Ingenieur für Vermessungswesen hat unter anderem beim Rheinsteig die Markierungsarbeiten geleitet und das dortige Nachhaltigkeitssystem sowie federführend das digitale Wanderinformationssystem für Rheinland-Pfalz aufgebaut. Für die Traumpfade-Wegepaten führt Sterr Schulungen durch – mit einheitlichen Vorgaben, wann jeweils ein „Beruhigungszeichen“ und wann „Richtungszeichen“ für den Wanderer zu erscheinen haben. Auch macht Sterr die ehrenamtlichen Helfer in Sachen „digitales Kataster“ fit, dem die Zukunft im Wegemanagement gehört.
Nicht nur die Erhaltung der Qualität der Traumpfade, auch deren Optimierung, falls erforderlich, zählt zu den Aufgaben – zum Beispiel, wenn ein weiterer Zuweg bereitgestellt werden soll. Bei den Farbmarkierungen an den Bäumen ist der Wegemanager von der Bemalung auf das Arbeiten mit Sprühdosen – „einheitlicher und weniger aufwendig“ – umgestiegen. Nur: Hier musste zunächst eine fast detektivische Suche nach dem geeigneten Farbton unternommen werden, da in der normalen Farbpalette für die Forstwirtschaft das Traumpfade-Orange nicht enthalten war.
Das Orange hatte zudem Anforderungen an Konsistenz, Trocknungszeit und Kompatibilität mit dem ebenfalls im Logo vorhandenen Weiß zu erfüllen. Dem Wegemanager kamen dabei die Ausbildung seiner Gattin Barbara als Lacklaborantin zugute sowie der eigene Garten und die Garage, in denen sie mit viel Engagement zahlreiche Versuchsreihen durchführten, bevor es „live“ mit dem richtigen Farbton auf die Traumpfade ging.
Kommunen ziehen mit
Michael Schwippert vom Projektbüro Traumpfade freut auch der Einsatz der Kommunen – etwa beim Freischneiden der Wege oder Ausbessern von Stufen – und der Forstbehörden. „Wegemanager, Wegepaten, Kommunen, Forst und Projektbüro ziehen alle an einem Strang in die gemeinsame Richtung. Das macht das Erfolgprojekt Traumpfade aus“, so Schwippert. Wanderer können sich vor ihrer Tour auf der Internetseite www.traumpfade.info unter dem Menüpunkt „Wegemanagement“ über die aktuelle Begehbarkeit erkundigen. Und falls unterwegs tatsächlich mal ein Wegweisungsschild fehlen sollte: Auf dem dazugehörigen Pfosten sind die zu kontaktierende Telefon- wie auch die Standortnummer vermerkt. „In der Regel beheben wir dann innerhalb von fünf Tagen diesen Mangel“, verspricht Schwippert.






